Weihnachten 1933 – Teil 1

(Auszug aus dem Roman "Der LeiterwagenXaverl)

Am Abend vor Weihnachten kommt Toni mit einer kleinen krummen Tanne zur Tür hereingeschneit und legt gleich los:
»Servus Bruderherz, den schmücken wir jetzt!«
Xaverl ist überrascht und gerührt zugleich:
»Mit was? …. Hier gibt es nix!«
Toni schnallt sich den Rucksack ab, stellt ihn auf den Küchentisch und öffnet die Riemen:
»Äpfel, Nüsse!«
Er legt die Utensilien auf den Tisch, kramt weiter im Rucksack:
»Hier hab ich’s.«
Toni hat ein Leinensäckchen rausgezogen und pendelt damit vor Xaverls Kopf, als wolle er ihn hypnotisieren.
»Rat, was drin ist!«
Xaverl rätselt gern und scherzt mit:
»Ein paar warme Socken.«
Toni schüttelt übertrieben den Kopf:
»Nein du Dummkopf, was zum Schmücken!«
»Also bemalte Glaskugeln!«
»Glaskugeln, nein, nein. Das wär ja, wie rohe Eier durch die Gegend schaukeln.«
Xaverl lacht herzlich. Soviel Spaß hatte er schon lange nicht mehr. Er hält sich prustend den Bauch:
»Ich geb auf!«
»Gut.«
Toni öffnet den gefüllten Leinensack, greift mit der Hand hinein und holt eine kleine Holzfigur, an der ein Bindfaden befestigt ist, heraus. Der große Bruder strahlt den Kleinen erwartungsvoll an. Xaverls Augen werden langsam feucht, er kämpft mit den Tränen. Er greift nach der Figur und hält sie liebevoll vor seine Brust, als ob er einen Schatz umarmen wolle.
»Mamas Holzfiguren. Wo hast du die denn her?«
»Von der Nele! Sie hat sie damals mitgenommen, nachdem sie … du weißt, schon …, sie den Hof verlassen hat. Und sie ist die einzige deiner Schwestern, die weiß, wo du wirklich bist. Stell dir nur vor, die Vroni und die Zenzi verplappern sich, wenn er sie wieder schlägt.«
Xaverl senkt betrübt den Kopf. Er muss sich das schweren Herzens eingestehen, seine Schwestern diese Weihnachten nicht zu sehen:
»Du hast recht, es ist wirklich besser so!«
Toni muntert ihn auf:
»Kopf hoch Bruderherz. Wir lassen uns das Geburtsfest des Heilands nicht verderben. Klar!?«
Xaverl richtet sich innerlich wieder auf:
»Klar!«
(Fortsetzung folgt am 3. Advent)

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